Kleines ABC: Migration & Mehrsprachigkeit

 

Das Prinzip des Mitgefühls liegt allen Religionen, ethischen und spirituellen Traditionen zugrunde und ruft uns auf, immer alle anderen so zu behandeln, wie wir selbst behandelt zu werden wünschen."
(Karen Armstrong, "Charta des Mitgefühls")

 

Islam

Allgemeines

> Deutscher Islam
> Mohammed
> Der Koran
> 5 Säulen des Islam
> Recht
> Toleranz
> Christentum
> Islamophobie, Islamkritik
> Literatur
> Islamkundeunterricht
>
Kopfbedeckungen, Schleier


In Deutschland leben etwa 4 Millionen Muslime, 45% haben die deutsche Staatsangehörigkeit, 36% sehen sich als "streng religiös", 70% der Musliminnen tragen kein Kopftuch (Bundesamt für Migration 2009). Insgesamt hat die Religiosität unter Migrationsbedingungen zugenommen, auch wenn der Islamin Deutschland kaum handlungsfähige gesellschaftliche oder gar politische Strukturen entwickelt hat. Diese Religiosität verbindet sich aber mit einer plralistischen Einstellung. Nach dem "Religionsmonitor" der Bertelsmann-Stiftung sind 86% für eine ogfene, plurale Einstellung gegenüber anderen Religionen, lehnen 65% eine islamische Partei ab. Nur 16% sehen sich politisch durch ihren Glauben geprägt. Nur für 6% ist Gewalt diskutabel, etwa 10% haben keine demokratische Einstellung (Bertelsmann-Stiftung 2008). Der immer wieder - öffentlich wie privat - befürchtete gewalttätige radikale Islam ist in Deutschland keine Realität.

Der Islam ist die zweitgrößte Religionsgemeinschaft. Islam bedeutet im Koran 'Hingabe an Gott', und das ist es, was den Muslim auszeichnet. Weltweit wird die Zahl der Muslime auf etwa 1,1 Mrd. geschätzt. Etwa 4 Millionen Muslime leben in Deutschland.
Die Grundsätze der Weltreligion Islam ermöglichen ein ebenso friedliches und tolerantes gesellschaftliches Miteinander wie die Prinzipien des Christentums. Vorurteile, Islamophobie haben sich aber - insbesondere seit September 2001 - ausgebreitet und wurden politisch zu selten entschieden bekämpft. Die Diskussion um den Beitritt der EU wird manchmal als Frage eines Beitritts einer morgenländisch-muslimischen zur christlich-abendländischen Wertegemeinschaft behandelt und bewegt sich damit auf irrationalen Gleisen, zumal alles andere als klar ist, welche christlichen Werte derzeit in Europa geteilt werden und wie sie ggf. die europäische Politik bestimmen. Hängt man der guten alten Aufklärung an, die ja gerade in Europa eine Säkularisierung gebracht hat, muss man die Problematik argumentativ angehen und sicher stellen, dass die betreffenden religiösen Systeme hinreichend bekannt sind und verstanden werden, dann müssen Toleranz und Wahrung der Menschenrechte Aller ins Zentrum gerückt werden und schließlich die Forderung nach gleichen Rechten. Dies ist nicht damit zu erledigen, dass in einigen islamischen Staaten u.a. gegenüber Christen keine Toleranz herrscht, das kennen wir schließlich auch aus christlich geprägten Gesellschaften, vor allem aber rechtfertigt es keine Diskriminierung in einem anderen Land.

Der Koran
Der Islam ist eine strikt monotheistische (auch gegenüber christlicher Dreifaltigkeits-/ Trinitätslehre) Buchreligion, die sich auf den Koran stützt (arab. qur'ān; Verb: qara'a 'lesen und vorlesen'; der Koran ist auch resultativ als die 'Lesung', das Rezitierte' zu verstehen). Der Koran ist Buch Gottes (kitāb Allāh), das als mündlicher, auswendig gelernter Text weitergegeben und gelesen wird, im mündlichen Vortrag seine Schönheit und Poesie zeigt und damit auch ästhetisch auf Allāh verweist (Kermani 2007). Der Koran wurde nach islamischer Auffassung Mohammed unmittelbar und wörtlich von Gott / Allāh (< al-ilāh 'der-Gott', Gattungsname + Eigenname) geoffenbart. Er ist damit Urkunde göttlicher Botschaft, unhinterfragbare Entscheidungs-Autorität in rechtlichen Fragen der Gemeinde. Er repräsentiert naturgemäß ein älteres Arabisch, das aber auch gegenwärtig denen verständlich ist, die mit diesem Werk zu leben, es zu deuten gewohnt sind. Gleichwohl gibt es erhebliche Interpretationsprobleme, denen eine reiche Kommentarliteratur, aber auch grammatische Literatur, zu begegnen sucht. Denn seine Geltung hat der Koran für Muslime allein in der arabischen Originalfassung (anders ist es mit Übersetzungen der Bibel im Christentum). Die poetische Schönheit ist mit Metaphern, Metonymien, Anspielungen, aber auch mit dem Reimprinzip (im Deutschen nachgebildet durch Friedrich Rückert), zu erklären. Der Rhythmus ist unregelmäßig. (Näheres zur Form: Bobzin 2004). Der Korean ist nicht zur linearen Lektüre, sondern zum Vortrag gedacht. Die Abfolge der Suren ist eher willkürlich (nach der Länge), die älteste scheint nach Neuwirth Sure 93. Die Schrift will als ganze gedeutet sein. (Neuansätze zur Exegese: Neuwirth 2010, 2011 [hoch interessante Deutung aus Sicht der Gemeinde und ihrer frühen Verkündigung und der Spätantike als zugleich europäischer Text]; Pohlmann 2012)

Gott/ Allāh ist ein einziger, er schuf die Welt - sieben Erden, sieben Himmel - in sechs Tagen und erschafft weiter alles, was ist. Adam wurde aus Erde geformt und Gott hauchte ihm den Atem des Lebens ein. Die Schöpfung mit dem Menschen an der Spitze ist ein Wunderwerk Gottes. Gott schuf auch Engel (malā'ika) und böse Dämonen (shāytane), die Menschen zum Bösen verführen können sowie Geister der Erde (djin) aus Feuer. Es wird ein Jüngstes Gericht erwartet, an dem Gott gemäß dem Buch der Taten, nach ihrer Abwägung richtet, dazu kommen die Menschen aus den Gräbern. Und die Bösen, die Teufel kommen in die Hölle, die Guten ins Paradies.

Der Urvater des Islam als monotheistischer Religion ist Abraham, auf ihn folgte  nach Noah, Mose, Ismael u.a als Prophet (nabi) und Gesandter Gottes (rasūl) Jesus, der Sohn Marias (Isā ibn Maryam), der von der Jungfrau geboren wurde, nicht Gott sein wollte, nicht die Sünden der Menschheit auf sich nahm, nicht am Kreuz starb (ein "ähnlicher" sei getötet worden sagt Sure 4,157), sondern am Ende von Gott zu sich erhoben wurde.

Mohammed (arab. Muhammād) ‏(*570 in Mekka; gest. 632 in Medina)
Der letzte und entscheidende Prophet ist Mohammed. Er wurde der Verkünder des Islam, nachdem er im Alter von 40 Jahren, als erfolgreicher und erfahrener Kaufmann tiefe, erschütternde Visionen hatte, die ihn zum Propheten in einer ungläubigen bzw. polytheistischen Umwelt (Mekka) machten. Er warnte vor dem Zorn Gottes un verkündet den Glauben an den einen, einzigen Gott. In Mekka hörte man nicht auf ihn, verfolgte später ihn und seine Anhänger, die schließlich nach Medina gingen. Hier waren sie erfolgreicher und setzten sich später in Kämpfen gegen die Mekkaner durch, deren Heiligtum von heidnischen Göttern befreit wurde und als Orientierungszentrum der Muslime Jerusalem ablöste. Es folgten Kämpfen mit jüdischen und christlichen Gruppen in Medina. 632 - in seinem Todesjahr - unternahm Mohammed die erste Wallfahrt nach Mekka.

Ibn Tulun Moschee Kairo (876-879)

Charakteristika des Islam

Die 5 Säulen des Islam

I. Das Glaubensbekenntnis (Es gibt keinen Gott außer Gott, Mohammed ist sein Prophet...)

II. Das Gebet, und zwar das rituelle, das man - so man gesund, nicht auf Reisen, rituell rein, gen Mekka gewendet ist - fünfmal täglich betet (salāt), und das persönliche Gebet (du'āt').

III. Die Pilgerfahrt nach Mekka (hādsch), einmal im Leben in dem vorgeschriebenen Monat (falls wirtschaftlich möglich), sie führt zum Heiligtum Kaaba(> Bilder) im Innenhof der großen Moschee in Mekka, die siebenmal gegen den Uhrzeigersinn umrundet wird

IV.  Das Fasten im Ramadan (Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang im 9. Monat des islam. Jahres, die 1. Mahlzeit am Abend ist meist ein gemeinschaftl. Ereignis). Es gilt für Erwachsene (nicht für Alte und Kranke).
Das Fest des Fastenbrechens (Id al-Fitr) - auch: Zuckerfest (Şeker Bayramı) - feiern Muslime in den ersten drei Tagen des Folgemonats . Es ist eines der beiden Hauptfeste des Islam.

V. Die Abgabe an die Gemeinde (zakāt), eine Art Steuer, sie wird u.a. für die Armen der Geminde, für wohltätige Zwecke verwendet.


Zur islamischen Gemeinschaft (umma) gehört das islamische Recht (scharīa), in dem sich Gottes Ordnung für seinen "Gehilfen", den Menschen, zeigt (detallierter Gesamtüberblick: Rohe 2009). Der zur Verantwortung Fähige ist Pflichten und Rechten gegenüber Gott und den Mitgeschöpfen unterworfen, die Mohammed geoffenbart wurden und bis zum Jüngsten Gericht gelten. An ihnen bewährt sich der Mensch und wird entsprechend im Diesseits und im Jenseits Lohn oder Strafe erhalten. Religiöses und weltliches Recht sind nicht geschieden, was in modernen Gesellschaften zum Konflikt führt. Neben den Pflichten wie Fasten gibt es löbliche und erlaubte Handlungen, dann auch zahlreiche Verbote, die z.T. noch an altarabische Verhältnisse erinnern. Zum einen haben Frauen gleichen Anspruch wie Männer (Sure 2,228), zum anderen ist der Mann durch seine Pflichten und Verantwortlichkeiten übergeordnet und darf u.a. auch eine Nicht-Muslima heiraten, was umgekehrt nicht statthaft ist, weil Glaubensabfall (Apostasie) - ein schlimmes Vergehen - droht. Der Koran bezeichnet als Strafe für den Abfall vom Glauben Gottes Zorn und Höllenqualen; islamische Rechtsgelehrte wenden aber auch Stellen gegen die "Heuchler" an, die man fangen und töten solle. Von Mohammed ist der Ausspruch überliefert: »Wer seine Religion wechselt, den tötet!«. Der Abfall muss eindeutig bezeugt sein (Taten gegen die Religion, den Koran verächtlich machen etc.).

Gebetsnische (Mihrab), Kanzel (Minbar)

 

 

   

Die Große Moschee (Ulu Cami) stammt aus dem 15. Jahrhundert.
Neben der besonderen Brunnenanlage, die zum rituellen Waschen
vor dem Beten dient, sind die vielen Handschriften / Kalligraphien
an den Wänden bemerkenswert. Handschriften wurden wegen
des Bilderverbots zu eigenen ästhetischen Formen
(Kunst und Gottesverehrung).


Der Islam hat die Position der Frau stark verbessert, aber die Gleichheit ist noch nicht in den koranischen interpretationsgemeinschaft und im Alltag durchgesetzt. Die ursprünglich oft drastischen Strafen, etwa bei Diebstahl, sind Gegenstandvon Interpretationsdiskussionen und in vielen Gesellschaften den Mildegeboten des Koran entsprechend neuzeitlichen Standards angenähert worden.
Es besteht ein allgemeines Tötungsverbot. Besonders strikt formuliert ist es gegenüber anderen Gläubigen:

17,33 "Und tötet niemand, den () zu töten Gott verboten hat, außer wenn ihr dazu berechtigt seid! Wenn einer zu Unrecht getötet wird, gegben wir seinem nächsten Verwandten Vollmacht (zur Rache).
4, 92 Kein Gläubiger darf einen (anderen) Gläubigen töten, es sei denn (er tötet ihn) aus Versehen...
94 Ihr Gläubigen! Wenn ihr um Gottes willen (auf einem Kriegszug) unterwegs seid, dann passt genau auf und sagt nicht zu einem, der euch den Heilsgruß entboten hat: 'Du bist kein Gläubiger', wobei ihr (unter dem Vorwand einen Ungläubigen vor euch zu haben und ihn bekämpfen zu müssen) den Glücksgütern des diesseitreigen Lebens nachgeht." (Koran, dt. Paret (2004: 69f.))


Viele Bestimmungen haben ihren Sitz im Leben in den kriegerischen Auseinandersetzungen der Frühzeit (→ Dschihad), Es wird ein Unterschied zwischen Gläubigen und Ungläubigen gemacht, der sich etwa beim geforderten Ausgleich nach einer Tat im Talionsrecht niederschlägt (Rohe 2011: 39). Das Talionsrecht sucht nach gerechtem Ausgleich und soll maßlose Rache verhindern. Der Verletzte kann auf die Vergeltung verzichten und eine Entschädigung fordern.

Das islamische Recht hat (wie das frühe Christentum) ein Zins- und sogar ein Spekulationsverbot.
Das islamische Recht ist stark bestimmt durch die Übertragung von Fällen (ausgehend von Lösungen Mohammeds oder seiner Gefährten und Nachfolger) auf neue durch Analogieschluss (quiyās); Ähnliche Sachverhalte müssen in ihren Eigenschaften gleich sein. Zu den Analogieschlüssen gehörte n. A-Jabri 2009 im Osten, etwa auch in der Schia, eine gnostische Form die mystisch vom Sichtbaren auf das Unsichtbare, rein Geistige schließt und von ihm als problematisch gesehen wird. In nordafrikanisch-spanischen Islam-Traditionen (etwa bei den Mauren) zeigte sich besonders stark der Einfluss aristotelischer Logik, in der Analogieschlüsse rationaler Art (Al-Jabri 2009). Analogieschlüsse werden als nicht zwingende in westlichen Rechtstraditionen eher kritisch beurteilt; auch der islamische Jurist Muhammad ibn Idris al-Shafi'i (767-820) plädierte für eine methodisch präzisere Anwendung (vgl. Khoury/ Hagemann/ Heine 2006: 3,674).

"Die Analogie führt dadurch zur Feststellung der anzuwendenden Rechtsnorm, daß sie in den Grundlagen des Gesetzes Vorschriften oder Entscheidungen ausfindig macht, die eine Ähnlichkeit mit dem vorliegenden Fall aufweisen und dadurch ihre Anwendbarkeit im vorliegenden Fall rechtfertigen. Die als Berechtigung der Analogie geltende Ähnlichkeit liegt im allgemeinen in der Begründung der früher getroffenen Entscheidung. So verbietet der Koran den Weingenuß wegen seiner berauschenden Wirkung. In Analogie damit verbietet das islamische Gesetz jede Sorte von alkoholischen Getränken, denn diese sind, wie der Wein, berauschende Getränke." (Khoury/Hagemann/Heine 2006: 3,639)

Interessant sind auch die Ausführungen von Al-Jabri 2009 zur Rolle der Tradition und zur Textauslegung, der in gewisser Hinsicht an die Tradition von Averroes anknüpft.

Die Richtung der Schiiten, zu der ca. 20% der Muslime (bes. Iran, Irak, Aserbaidschan) gehört, sieht die entscheidende Rechtsquelle in einem der Nachfahren 'Alīs - der Schwiegersohn und Vetter Mohammeds wird als Erster Imam betrachtet - aus der Ehe mit Mohammeds Tochter Fātima. Die Sunniten, die größte Richtung des Islam, hatten ein Kalifat, keine Imame, als Leitung. Sie orientieren sich an der Sunna ('Herkunft, Brauch, Sitte'), in der sich Leben, Aussprüche und Lehren Mohammeds finden.
Der Islam hat auch eine mystische Tradition, die von den Sufis verkörpert wird. Die Ordensbrüder waren die Derwische. Die Mystiker propagieren die Liebe zwischen Gott und den Menschen, Armut und Askese. Jesus wird als Prophet der Liebe verehrt. Zur Mystik vgl. Schimmel 2009.

Der Dschihād / ğihād ('Kampf, gezielter Einsatz, Engagement')
ist mit "Heiliger Krieg" schräg übersetzt. Er bezog sich zunächst auf Kampf zur Verteidigung der Muslime und muslimischer Länder, auch auf Erweiterung des Territoriums, und dann auch auf gezieltes Engagement, Eifer für die rechte Sache.
Der Koran enthält Passagen, die - wenn man sie nicht historisch ("Sitz im Leben") deutet, was man tun muss - auf einen Krieg gegen Ungläubige einzustellen vermögen, der ein Mittel sein soll, dem Unglauben zu widerstehen, den Polytheismus zu bekämpfen, den rechten Glauben anzubahnen, nicht vom Glauben abzufallen. Gekämpft wird für den Glauben, die Einheit der Muslime, für das eigene Leben. Einige Texte gehen auf die Zeit der frühen Kämpfe zwischen Muslimen und Mekkanern im 7. Jahrhundert zurück.

4,67: "Diejenigen, die glauben, kämpfen auf dem Weg Gottes. Und diejenigen, die ungläubig sind, kämpfen auf dem Weg der Götzen. So kämpft gegen die Freunde des Satans." (Koran,, dt. Khoury (2006:324))

Verträge sollen gelten und in Kommentaren wird gefordert, Friendensangebote anzunehmen, Frauen, Kinder, Alte nicht zu bekämpfen, also auf dem Weg Gottes zu kämpfen (2,190). Auch der Dschihād oder die Verheißung des Paradieses für Märtyrer (überlieferte Sprüche des Propheten) gehen auf konkrete geschichtliche Konstellationen zurück und sind nicht einfach auf politisches bzw. staatliches Handeln übertragbar (Islamismus). Solche Übertragungen finden sich, wo der Islam als Politische Religion gilt, Unterdrückung erfahren und in religiösen Denkvorstellungen bekämpft werden soll. Es bedarf dann kritischer Diskussion, es bedarf einer Fortsetzung der Diskussion aufklärerischer Positionen - die es im Islam auch immer gab - mit dem Akzent auf Menschenwürde, Toleranz, Gleichheit etc., die es in der Konfrontation (wie in der Bush-Ära) natürlich schwer hat. Auf Selbstmord(attentate) beziehbar ist:

4,29: "Oh ihr, die ihr glaubt! Verzehrt nicht euer Vermögen untereinander in unrechtmäßiger Weise, es sei denn, ihr treibt Handel im Einvernehmen unter euch! Und tötet euch nicht selbst! Siehe, Gott ist euch gegenüber voll Erbarmen." (Koran dt. Bobzin)

Wer historisch gerecht sein will, muss auch die kriegerischen Verfehlungen - insbesondere die Kreuzzüge - von Christen im Blick behalten, die keineswegs der Botschaft des Neuen Testaments entsprachen. Buchreligionen erlauben sich öfter freie Deutungen ihrer heiligen Texte. Der Koran zeigt milde Gesinnung gerade gegenüber den anderen "Buchbesitzern", die sich auf Thora oder Bibel stützen.

Wenig bekannt ist die Friedenslehre des Koran gegenüber Feinden:

"8,61: Und wenn sie sich dem Frieden zuneigen, dann neige auch du dich ihm zu und vertrau auf Gott.
4,90: Wenn sie sich von euch fern halten und nicht gegen euch kämpfen und euch Frieden anbieten, dann erlaubt euch Gott nicht, gegen sie vorzugehen." (Koran, dt. Paret (2004: 324))

Das heute noch nicht unproblematische Verhältnis Islam-moderner Verfassungsstaat beleuchtet Wick 2009. Eine umfassende Darstellung des islamischen Rechts gibt Rode 2011.

Christentum aus islamischer Sicht
Es gibt viele Gemeinsamkeiten und Bezüge, Abraham ist im Islam der Prophet, der für den Monotheismus, gegen die Vielgötterei der Umwelt steht, zu nennen sind als Propheten Noah und auch Jesus ('İsā), der die jüdische Thora als heiliges Buch anerkannte wie der Koran das Neue Testament. Jesus starb allerdings nicht am Kreuz. Nach Jesus ist Mohammed der letzte, entscheidende Prophet, der auf den Glauben des Abraham zurückgeht. Dazu lesenswert: Kermani 2015.

Islamophobie - Islamkritik
scheint heute leider viele Darstellungen der Medien (inkl. sonst seriöse Zeitungen) zu leiten, illustriert durch Bilder bärtiger Männer und stark verschleierter Frauen. Sie sollen symbolisieren, dass der Islam nicht in der Neuzeit angekommen ist, archaischen Regeln folgt, noch Blutrache und kriegerischen Dschihād kennt etc. Wenige Einzeltäter, deren Zugehörigkeit zum islamischen Kulturkreis als besonderes Merkmal hervorgehoben wird (nennen wir bei Verbrechen hierzulande Täter als Angehörige christlicher Kultur?), dürfen den Blick auf eine der großen Weltreligionen nicht verstellen, deren überwältigende Mehrheit friedlich lebt, die an den modernen Wissenschaften erheblichen Anteil hat, denken wir an wichtige Beobachtungen in der Astronomie, die Entdeckung des Algorithmus, die Begründung der Trigonometrie, die Erkenntnisse in der Optik, die Meisterhaftes in Dichtung, Musik, Architektur hervorgebracht hat. Dafür mag eine Persönlichkeit wie Umar Khayyām aus Samarkand (Mittelasien) (1048-1123) stehen, der Astronom, Mathematiker, Philosoph und Dichter war. Oder der bedeutende Mediziner, Philosoph, Theologe, Astronom Avicenna (Ibn Sinā) (980-1037). Er bevorzugte in der Medizin induktive Schlüsse und erforschte die Psychosomatik, erweiterte den Syllogismus des Aristoteles um Quantoren wie manchmal, gehört zu den Begründern eines aristotelischen utopischen Materialismus, dem zufolge in der Materie die Möglichkeiten enthalten sind und kreativ herausdrängen: Materie und Mensch sind noch im Werden.
Kriegerischer Islamismus, Selbstmordattentate, Todesdrohungen gegen Abtrünnige widersprechen den islamischen Grundprinzipien.

Öfter spielt in Islamdiskussionen die Taqīya (arab. ,Furcht, Vorsicht‘) eine Rolle, derzufolge man seine Glaubensidentität verleugnen dürfe, wenn es taktisch geboten sei. Daraus wird abgeleitet, Muslime würden sich generell taktisch verstellen. Tatsächlich bezeichnet Taqiya im Islam die Möglichkeit in einer Gefahrensituation (Lebensgefahr, äußerster Zwang) den eigenen Glauben nicht zu offenbarenn und dann auch den religiösen Pflichten zeitweise nicht nachzukommen.

16, 196: "Diejenigen, die an Gott nicht glauben, nachdem sie gläubig waren – außer wenn einer (äußerlich zum Unglauben) gezwungen wird, während sein Herz (endgültig) im Glauben Ruhe gefunden hat, – nein, diejenigen, die (frei und ungezwungen) dem Unglauben in sich Raum geben, über die kommt Gottes Zorn (w. Zorn von Gott), und sie haben (dereinst) eine gewaltige Strafe zu erwarten." (Koran, Sure 16, 196 (Paret))

Religiöse Toleranz
Es gab eine historische Epoche (etwa 750-1492), in der in Spanien unter maurischer Herrschaft ein Höchstmaß an Toleranz zwischen den Religionen Islam, Christentum, Judentum herrscht und Wissenschaften und Künste gediehen. Eine Philosophie der Vernunft, vielfach auf Aristoteles zurückgehend, bestimmte den Dialog. Eindrucksvolle Zeugnisse dieser Zeit sind die philosophischen Werke des Universalgelehrten Averroes (Ibn Rushid) (1126-1198), dessen stark logikbasierte Aristoteles-Kommentare das europäische Mittelalter und die Scholastik geprägt haben. Seine Sicht des Koran bezieht die Vernunft ein. Averroes wurde nach Marokko (Marrakesch) verbannt, wo er starb. Zeugnisse dieser fruchtbaren Zeit für West-Islam, Christentum und Judentum sind in Córdoba, Granada, Sevilla zu bestaunen.

Zu erinnern ist auch an das II. Vatikanische Konzil, das unter Gottes "Heilswillen" auch die Muslime fasst, die ebenfalls den Schöpfergott anerkennen wie auch den Glauben Abrahams an den einen barmherzigen Gott teilen (vgl. Constitutio Dogmatica de Ecclesia (Lumen Gentium), 16). Im Koran heißt es:

29,46: "Und streitet mit den Leuten der Schrift nie anders als auf eine möglichst gute Art (...) - mit Ausnahme deren von ihnen, die Frevler sind! Und sagt: 'Wir glauben an das, was (als Offenbarung) zu dir hinabgesandt. Unser und euer Gott ist einer. Ihm sind wir ergeben.'" (dt. von R. Paret, 2004:280)

Wer islamische Länder bereist, wird überwältigt sein von der Gastfreundschaft. Er kann sie als praktisches Beispiel des adab sehen, einer Form des (ursprünglich höfischen) akzeptierenden, ausgleichenden, Konflikt vermeidenden Verhaltens, das zu den normativen Idealen des Islam gehört (vgl. Heine 2001:157f.).

> Sure 24 (Das Licht) und Sure 93 (Der helle Morgen)

 

Der Evolutionsgedanke ist in der islamischen Tradition schon alt. Fabian Köhler fasst diese Tradion in der taz zusammen, über "Darwins islamische Vorfahren" hatte er schon in Telepolis berichtet.
"In dieser Welt der Schöpfungen und Entstehungen bedeutet dieses "Verbunden-Sein", dass die Dinge auf der letzten Stufe einer Gruppe das Potenzial haben sich in die Dinge auf der ersten Stufe der nächsten Gruppe hin zu entwickeln. So breitete sich die Tierwelt aus, die Zahl der Tierarten nahm zu, und der stufenweise Prozess der Schöpfung führte schließlich zum Menschen, der zu denken und zu reflektieren vermag. Diese höhere Stufe des Menschen wurde erreicht aus der Welt der Affen, die zwar Klugheit und Wahrnehmung haben, aber noch nicht das Vermögen des aktuellen Denkens und Reflektierens ereicht haben. An diesem Punkt ist die erste Stufe des Menschen erreicht. Dies ist der letzte Stand unserer Beobachtungen." (Ibn Khaldun, Muqaddimah, zit. n. Köhler)

Hinweis
Hier sind nur erste Hinweise möglich; es gibt ausgezeichnete Arbeiten zum Thema, die gleichwohl eine kritische Lektüre erfordern; ein ausgewogenes Bild erfordert es, immer auch muslimische Sichtweisen heranzuziehen. Wichtige islamische Denker der Neuzeit präsentiert Benzine. Die Arbeiten von Adel Theodore Khoury, bei dem ich studiert habe, seien besonders empfohlen. Vor allem sollte man die Khoran-Kommentare von Angelika Neuwirth, Berlin, lesen (zwei Bände sind bisher erschienen).
Zur Islamfeindlichkeit: Benz 2012.

Literaturauswahl
M. Abed Al-Jabri (2009) Kritik der arabischen Vernunft. Berlin: Perlen
Abu l-Faradj Ibn al-Djauzi (2009) Das Buch der Weisungen für Frauen – Kitab ahkam al-nisa'. Frankfurt: Suhrkamp [relig. Unterweisung für die bis dahin ausgeschlossenen Frauen aus dem 12. Jahrh.]
Al-Nawawi (2007) Das Buch der Vierzig Hadithe - Kitab al-Arba'in. Frankfurt: Suhrkamp [Hadithe umfassen die auf Mohammed zurückgehende Lehrtradition des Islam, hier eine sehr gute Zusammenstellung aus dem 13. Jahrh.]
Averroes (2008) Über den Intellekt: Auszüge aus seinen drei Kommentaren zu Aristoteles' De Anima. Freiburg: Herder
Averroes (2009) Die entscheidende Abhandlung und die Urteilsfällung über das Verhältnis von Gesetz und Philosophie. Hamburg: Meiner
*Th. Bauer (2011) Die Kultur der Ambiguität: Eine andere Geschichte des Islam. Frankfurt:Insel
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W. Benz (2012) Die Feinde aus dem Morgenland: Wie die Angst vor den Muslimen unsere Demokratie gefährdet. München: Beck
R. Benzine (2012) Islam und Moderne. Berlin: Insel
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A. Th. Khoury /W. Hagemann/P. Heine (2006/2) Islam-Lexikon A-Z: Geschichte - Ideen - Gestalten. Freiburg: Herder
M. Kiefer et al. (2017) "Lasset uns in sha'a Allah ein Plan machen": Fallgestützte Analyse der Radikalisierung einer WhatsApp-Gruppe. Wiesbaden: Springer VS
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*T. Nagel (2002/4) Der Koran: Einführung - Texte - Erläuterungen. München: Beck
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T. Nagel (2008) Allahs Liebling: Ursprung und Erscheinungsformen des Mohammedglaubens. München: Oldenbourg
A. Neuwirth (2010) Der Koran als Text der Spätantike. Ein europäischer Zugang. Frankfurt: Suhrkamp
*A. Neuwirth (2011) Der Koran: Bd. 1: Frühmekkanische Suren. Poetische Prophetie. Handkommentar mit Übersetzung von Angelika Neuwirth. Frankfurt: Suhrkamp
*A. Neuwirth (2017) Der Koran: Bd. 2/1: Frühmittelmekkanische Suren. Das neue Gottesvolk: ›Biblisierung‹ des altarabischen Weltbildes. Handkommentar mit Übersetzung von Angelika Neuwirth. Frankfurt: Suhrkamp
[geordnet nach histor. Chronlogie, wie sie Th. Nöldeke herausgearbeitet hat, fokussiert den spätantiken Hintergrund wie den Sitz im Leben]
A. Neuwirth (2017) Die koranische „Verzauberung der Welt" und ihre "Entzauberung" in der Geschichte. Freiburg: Herder
*R. Paret (2004/4) Der Koran. Stuttgart: Kohlhammer (philologisch starke Übersetzung, dazu gibt es einen Konkordanzband:]
R. Paret (1980/3) Der Koran. Kommentar und Konkordanz. Stuttgart: Kohlhammer
K.F. Pohlmann (2012) Die Entstehung des Korans. Darmstadt: WBG
M. Rohe (20011/3) Das islamische Recht: Geschichte und Gegenwart. München: Beck [Standardwerk]
U. Rudolph (2009/2) Islamische Philosophie: Von den Anfängen bis zur Gegenwart. München: Beck [prägnante Übersicht]
*F. Rückert (2001/4) Der Koran. Würzburg: Ergon und (2009) Köln: Anaconda [preiswert]. [poetisch; Friedrich Rückert (1788-1866, Poet und Islamwissenschaftler, schuf eine ästhetisch sehr ansprechende Übersetzung, die Kermanis Aussagen belegt]
A. Schimmel (1993) Von Ali bis Zahra. Namen und Namengebung in der islamischen Welt. Köln: Diederichs
A. Schimmel (2009a) Nimm eine Rose und nenne sie Lieder: Poesie der islamischen Völker. Frankfurt: Insel.
A. Schimmel (2009b) Mystische Dimensionen des Islam: Die Geschichte des Sufismus. Frankfurt: Insel
T.G. Schneiders (Hg.(2010/2) Islamfeindlichkeit: Wenn die Grenzen der Kritik verschwimmen. Wiesbaden: VS Verlag
E. Serauky (1991) Geschichte des Islam. Entstehung, Entwicklung und Wirkung von den Anfängen bis zur Mitte des XX. Jahrhunderts. Berlin: Deutscher Verlag der Wissenschaften
B. Tibi (2008) Die islamische Herausforderung. Religion und Politik im Europa des 21. Jahrhunderts. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft
A. Unger (2007) Von Algebra bis Zucker. Arabische Wörter im Deutschen. Stuttgart: Reclam
L. Wick (2009) Islam und Verfassungsstaat. Würzburg: Ergon

*Der Koran (2016) Seine wichtigsten Botschaften: Hg. von Angelika Neuwirth, Gelesen von Stefan Kurt, rezitiert von Ali Taha (3 CDs) Audio-CD – Audiobook

Gut gemachtes Sonderheft des philosophie magazins (2015) "Der Koran".
[mit vielen bedeutenden Autoren und relevanten Textauszügen. Sehr gut zum Einstieg]

Islam im Westen

Interviews mit Experten
Interview mit dem Theologen und Menschenrechtler Heiner Bielefeldt (2009)
Interview mit dem Islamwissenschaftler Peter Heine zu "Islam und Gewalt" (2010)
Interview mit Medienwissenschaftlerin Schiffer über Islamophobie
Interview mit dem Islamwissenschaftler Thomas Bauer über Ambiguitätstoleranz, Aufklärung, arab. Frühling, Scharia etc. (FAZ)
"Der Islamwissenschaftler Michael Kiefer hat die WhatsApp-Chats von salafistischen Jugendlichen ausgewertet, die einen Anschlag planten", Interview mit Kiefer in der taz

Zum schulischen Islamkundeunterricht
D. Bartsch (2009) Konzepte und Modelle zur Vermittlung der Lehrinhalte im deutschsprachigen Islamkunde-Unterricht. Hamburg: Dr. Kovac
R. Ceylan (2009) Islamische Religionspädagogik in Moscheen und Schulen. Hamburg: Dr. Kovac
I.-C. Mohr/M. Kiefer (Hg.)(2009) Islamunterricht – Islamischer Religionsunterricht – Islamkunde
Viele Titel – ein Fach? Bielefeld: transcript
B. Ucar/Yasar Sarikaya (Hg.) (2009) Entwicklung der modernen Islamischen Religionspädagogik in der Türkei im 20. Jahrhundert. Hamburg: Dr. Kovac

Leben in Deutschland
H. Sezgin (Hg.)(2011) Manifest der Vielen: Deutschland erfindet sich neu. Berlin: Blumenbar

Muslimische Stimmen
Islam.de

Die Prediger des Islam (Rauf Ceylan)

Infos Islamkunde NRW (pdf)
Institut für Arabistik und Islamwissenschaft der Univ. Münster
Religion des Islam Univ. Münster
Studiengang Islamische Religionspädagogik Univ. Osnabrück

Zum Projekt Coranica der Berlin-Brandenburgischen Akademie, aus dem u.a. die Kommentare von Angelika Neuwirth stammen → hier.

Interview mit Angelika Neuwirth (Islam, IS etc.)

Islam und Ökologie (Telepolis-Artikel)

Deutsche Gerichte wenden Scharia an

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"Als in Köln am Rhein noch ein anderer Kardinal waltete, in den 1960er Jahren, stellte er türkischen Arbeitsmigranten die beiden nördlichen Seitenschiffe des Doms für ihre Gottesdienste zur Verfügung. Damals gab es nämlich einfach nicht genug Moscheen in Köln. So breiteten am Ende des Ramadan 1965 Hunderte Muslime ihre Gebetsteppiche im Kölner Dom aus, um das Ende des Fastenmonats mit einem Gottesdienst zu feiern. (...) Beide Seiten sahen diesen Besuch als Akt der Gastfreundschaft, angestoßen durch die katholischen Liberalisierungen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965)."
(Chrismon 11.2012, 25)

„Es fehlt eine Vertretung, die den Koran in seinem historischen Kontext versteht und ihn im 21. Jahrhundert lebendig macht.“
(Mouhanad Khorchide, Islamwissenschaftler an der Universität Münster)

 

"Das Christentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das Judentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das ist unsere christlich-jüdische Geschichte. Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland." (der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff, 20. Jahrestag der Einheit, 2010) "Der frühere Bundespräsident Christian Wulff hat gesagt: Der Islam gehört zu Deutschland. Und das ist so. Dieser Meinung bin ich auch." (Angela Merkel, Bundeskanzlerin, 2015)

 

Die Sultan-Ahmed-Moschee ("Blaue Moschee")
(Sultanahmet Cami) in Istanbul wurde 1609-1616 gebaut
unter Sutlan Ahmet I. (Baumeister: Mehmed Aǧa)
und hat 6 Minarette; sie ist eines der
bedeutendsten Bauwerke des Islam.

 

 

 

 

 

 

 

Kuppel

 

 

 

 

 

Die Süleymaniye Cami in (Istanbul (unter Sultan Süleyman vom
berühmten Baumeister Sinan 1550-1557 erbaut) gilt als
eines der schönsten Bauwerke des Islam

 

 

 

 

Alcázar von Sevilla (ab 913 unter Al Rahman II., vom kastilischen König Pedro I. (1334-1369) als Palast (Mudejarenstil)  umgebaut.

 

 

 

 

Cordoba

Córdoba: Moschee / Mezquita de Córdoba (785 gebaut von Abd ar-Rahman I.), drittgrößte Moschee der Welt. 1236, nach der Reconquista, wurde sie christlich geweiht und 1523 eine christliche Kirche in die Säulenreihen hineingemauert (Bild).

 

 

 

Bosporus Dämmerung

 

 

 

 

 

 

Kopfbedeckungen oder: Mann und Frau
1 Korinther 11, 3ff. schreibt Paulus: " (3) Doch sollt ihr dies wissen: Das Haupt jedes Mannes ist Christus; das Haupt der Frau ist ihr Mann; das Haupt Christi aber ist Gott. (4) Darum schändet jeder Manns sein Haupt, wenn er beim Beten oder bei der prohetischen Rede eine Kopfbedeckung trägt. (5) Jede Frau dagegen, die unverschleierten Hauptes betet oder als Proheptin spricht, schändet ihr Haupt, macht seinen Kopf zuschanden. (...) (7) Der Mann aber darf sein Haupt nicht verhüllen, ist er doch ABBILD und Abglanz GOTTES! Doch die Frau ist Abglanz des Mannes. (8) Denn nicht stammt der Mann aus der Frau, sondern die frau aus dem Mann, (9) Der Mann ist ja auch nicht um der Frau willen geschaffen worden, sondern die frau um des Mannes willen. (10) Darum muss die Frau einen Kopfschleier tragen, als (schützende) Macht wegen der Engel." (dt. Ulrich Wilckens) Griechische Frauen waren, anders als jüdischen, damals unverschleiert; daraus entstanden für die Judenchristen ein Problem, auf das Paulus in dieser Weise mit seiner heute schwer nachvollziehbaren Argumentation reagierte. Wer heute unreflektiert die christlich-jüdischen Traditionen, in denen Deutschalnd stehe, hervorhebt und ihnen genüber den Islam abwertet, sollte sich mit allen Traditionen und ihrer Geschichte vertraut machen, um zu einem ausgewogeneren Urteil zu kommen.

Hand geben
ist unter manchen Gruppen von Muslimen (wie im orthodoxen Judentum) nicht üblich. Man legt bei der Begrüßung die Hand aufs Herz. Es geht hier nicht um Islamismus oder dgl.

Wandel
Vor 50 Jahren trugen auch hier (besonders auf dem Lande) Frauen Kopftuch, trugen Frauen in der Kirche Kopfbedeckung (meist Kopftücher), saßen in der Kirche Männer und Frauen getrennt...

Heute
ist noch immer heftiger Streit um das Kopftuch, weil manche es als Symbol der Unterdrückung der Frau (so Alice Schwarzer), manche als Zeichen des Islamismus sehen. Andere sehen darin eine freie, religiös begründete Entscheidung. Einige Länder verbieten Lehrerinnen das Tragen des Tuchs, während sie christlichen Nonnen ihren Ornat auch in der Schule gestatten. In Frankreich sind alle religiösen Symbole in Schulen verboten, in England sind alle erlaubt. Was ist Freiheit? Kann man gelassen mit Kopftüchern umgehen? Braucht man das Kopftuch zur Abgrenzung des eigenen gegenüber dem Fremden?
Das Bundesverfassungsgericht hat am 13.3. seine Kopftuchentscheidung von 2003, in der eine verfassungskonforme gesetzliche Regelung für notwendig gehalten wurde, 2015 nach NRW-Klagen präzisiert: Ein pauschales Kopftuchverbot für Lehrerinnen ist verfassungswidrig. Ein Verbot des Tagens religiöser Symbole, z.B. Kopftuch, ist nur noch statthaft, wenn das "zu einer hinreichend konkreten Gefährdung oder Störung des Schulfriedens oder der staatlichen Neutralität führt". Eine "abstrakte Gefährdung" reicht nicht aus. Das beinhaltet ein Neutralitätsgebot des Staates, denn z.B. in NRW waren Kippa und Nonnentracht in der Schule statthaft, ein Kopftuch aber nicht.

Einen Gesichtsschleier schreibt der Islam nicht vor. Scheikh Khaled Omran von der Azhar-Universität in Kairo nenntden schleier wie z.B. einen Niqab „eine Tradition“, die keineswegs religiös zu rechtfertigen sei." FAZ

Sure 24, 31 in der Übersetzung von Friedrich Rückert

Eine Falschbeschuldigung (qaḏf) wegen zinā (Unzucht) wird im Eine Falschbeschuldigung (qaḏf) wegen zinā (Unzucht) wird im klassischen islamischen Recht bestraft (vgl. Sure 24,4). Man braucht nämlich vier Zeugen. Kann man sie nicht beibringen, beträgt die Strafe klassisch 80 Peitschenschläge oder Strafe im Jenseits. Durch das Risko für die Beschludiger sollte an sich die Verleumdung verhindert werden. Öfter aber wird das Opfer zusätzlich bestraft (Somalia, Pakistan, Emirate).( n. Rohe 2011, Das islamische Recht, München: Beck, 126) bestraft (vgl. Sure 24,4). Man braucht nämlich vier Zeugen. Kann man sie nicht beibringen, beträgt die Strafe klassisch 80 Peitschenschläge oder Strafe im Jenseits. Durch das Risko für die Beschludiger sollte an sich die Verleumdung verhindert werden. Öfter aber wird das Opfer zusätzlich bestraft (Somalia, Pakistan, Emirate)( n. Rohe 2011:126).